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Dr. Kai Gniffke ist der Beste

| 21. Dezember 2009

Gibt es hierzulande eigentlich wirklich gute Blogger, die nicht als Blogger bekannt wurden?

Gerade im politischen Umfeld gibt es ja den ein oder anderen Polit-Promi, der sich am Blogschreiben versucht hat. (Mir fallen wieder nur Liberale ein.) Aber wirklich überzeugend fand ich als Blogger bisher keinen Politiker. Es mangelt ihnen einfach an Autentizität.

Anders ist es bei Dr. Kai Gniffke. Gniffke ist Erster Chefredakteur von ARD-aktuell und somit Boss der Tagesschau und der Tagesthemen. Und er ist aus meiner Sicht Deutschlands bester Blogger, der neben dem Bloggen noch einen anderen Job hat. Gniffke bloggt beim Tagesschau Blog und obwohl er selbst sicherlich kein Digital Native ist, bereichert er das seit knapp drei Jahren bestehende Blog immer wieder durch pointierte, relevante und autentische Beiträge. Dies mag daran liegen, dass er nicht nur für das Publikum schreibt, sondern auch für sich selbst: Er sieht – wie er radioeins erzählt – neben dem zeitlichen Aufwand, das Bloggen als produktive Reflektion seiner täglichen Arbeit. Entsprechend schreibt er seine Beiträge auch nicht irgendwann in der Mittagspause, sondern gegen Mitternacht, wenn die Tagesthemen gelaufen sind. Dann, wenn ihn der Gegenstand des Schreibens noch selbst beschäftigt. Das er anscheinend auch noch selbst schreibt und diese Aufgabe nicht – wie in der Politik leider häufig üblich – seinem Referenten überlässt, muss jetzt sicherlich nicht mehr erwähnt werden.

“Natürlich gab auch heute wieder die Weltlage soviel her, dass man ohne aufzufallen eine Viertelstunde ‘Tagesschau’ achtbar füllen konnte. Aber wenn wir ehrlich sind, hätte man jedes, ja wirklich jedes unserer heutigen Themen auch lassen können.” schrieb Gniffke im Sommer dieses Jahres. Sie ist billig zu haben und effektiv: Provokation ist für viele Blogger das Mittel der Wahl, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Gniffke jedoch provoziert weniger den Leser als das eigene Haus. Als Chef schreibt er in aller Öffentlichkeit kritisch über die Arbeit der eigenen Mitarbeiter – augenscheinlich ein Unding. Was er hier austariert, ist das Verhältnis zwischen Autentizität und Loyalität, das institutionelle Blogger, die nicht nur im eigenen Namen schreiben, vor große Schwierigkeiten stellt. Auf der einen Seite ist reine Lobhudelei uninteressant – auf der anderen Seite kann man dem eigenen Haus nicht grundsätzlich in den Rücken fallen. Gerade große Unternehmen (wie Microsoft in Amerika oder Vodafone in Deutschland) arbeiten sich an diesem Verhältnis ab.

Aktualisiert am 21. Dezember 2009

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zum Artikel von Anonymous

  1. MB

    25. März 2011 um 07:13 Uhr

    Ein am 17. Maerz 2011 auf dem tagesschau Blog veroeffentlichter Artikel von Herrn Dr. Gniffke ist kaum zu glauben. Herrn Gniffke erklärt warum er und die ARD (er schreibt in der ersten Person Plural) sich doch schwer tun, Spendenaufrufe für das “hochindustialisiete Land” Japan zu starten. Angesichts tausender Opfer und Hilfe aus aller Welt kann dies allenfalls als blanker Hohn gewertet werden. Die eigentlichen Motive bleiben unklar, vielleicht doch ein versteckter Aufruf zum NICHTSPENDEN?
    Das treibt einem die Schamesröte ins Gesicht, und das bei der ARD! Ich kann kaum glauben dass alle Kollegen und Redakteure des öffentlich-rechtlichen Fernsehens diese Meinung billigen und Herrn Dr. Gniffkes inneren Zwiespalt mitfühlen.

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  2. Jaros

    23. Juni 2011 um 22:00 Uhr

    Sie wiederholen sich…

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