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Facebook & Twitter im Fluss der Zeit

Timm | 19. Januar 2010

TwFBEvan Williams (Twitter) und Mark Zuckerberg (Facebook). Fotos genutzt unter verschiedenen CC-Lizenzen.

Es ist eine Weile vergangen, seit Twitter das letzte Mal im Zuge der Proteste im Iran großformatig von den klassischen Medien wie Zeitungen und Fernsehen betrachtet wurde. Weniger panische Meldungen, weniger “Was soll ich mit 140 Zeichen”, sehr angenehm.
Facebook war schon so lange nicht mehr in den klassischen Medien ein großes Thema, dass ich mich nicht einmal mehr an den letzten Grund erinnern kann. Gut, es mag irgendeine Millionen-Schwelle der Nutzerzahlen in Deutschland gewesen sein.

Lange nichts passiert bei zwei der prägendsten Dienste (Das Jahr 2009 betrachtet) des Web2.0? Mitnichten. Zeit für eine Bestandsaufnahme. War Twitter eine Eintagsfliege? Was macht Facebook, außer zu wachsen?

Twitter
Vor einiger Zeit führte Facebook in seinen Statusupdates die Option ein, Freunde zu “markieren”. Jüngst setzte Facebook, vom Großteil der Nutzerschaft sicher unbemerkt, “öffentlich” als neue Standardeinstellung für Statusupdates.

Dies sind Vorgänge, die Facebooks Orientierung in Richtung Twitter offensichtlich machen. Doch (sehr zu unserem Glück, aber dazu komme ich später noch) wird auch bei Twitter wird nicht geschlafen. Und ich meine nicht nur den Umzug ins neue HQ.

Der Wunsch nach Neuerungen wurde fürs Erste befriedigt: So gibt es Listen, auf denen man Twitterer einer Rubrik zusammenfassen kann. Quasi Followerempfehlungen à la “Für diesen und jenen Bereich empfehle ich diese und jene Twitterer”. Es ist ein bisschen wie die Dienst-Eigene Nachfolge des #FollowFridays (#ff).

Und noch ein von den Nutzern eingeführter Mechanismus hat endlich den Sprung hin zu einer “offiziellen” Twitter-Funktion bekommen: Der Retweet (RT).
Beispiel: Ein Twitterer, dem ich followe retweetet einen Tweet. – Scharfer Satz, oder?
Alter Mechanismus: Ich kann an einem fetten “RT” im Tweet erkennen, dass der Tweet im Original einen anderen Verfasser hat.
Neuer Mechanismus: In meiner Timeline läuft der Tweet auf, obwohl ich dem verfassenden Twitterer gar nicht followe. Hinzugefügt wird lediglich ein kleines “Retweeted by [Twitterer, dem ich followe]

Das sieht dann so aus:
BeispielRT

Ob, inwieweit oder wann Twitter “richtig” im Mainstream ankommen wird, ist fraglich. Womöglich ist es dem Großteil der User etwas zu kryptisch, etwas zu “Linux”, dieser Service mit einzelnen Meldungen femder Menschen. Was ich aber festhalten muss: Für den Digital Native ist Twitter imo in jedem Fall ein Gewinn.

Facebook
Während Twitter langsam, aber sicher neue Features hinzufügt, entwickelt Facebook sich langsam aber ebenso sicher zum Rivalen für Google, geht es um die Krone der “Datenkrake”.
Die “Reform” der Privatsphäre-Einstellungen erwähnte ich bereits oben. Brandaktuell ist die neue “Gib uns dein Adressbuch und wir machen damit was wir möchten”-Funktion der aktualisierten iPhone-App.
Achtung: Nein, Holtzbrink hat Facebook nicht übernommen.
Ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen, aber Interviews wie dieses, dessen Echtheit jedoch zweifelhaft ist, geben einem das, was man wohl ein “schlechtes Gefühl dabei” nennt. “Dabei” mag dann so ziemlich alles sein, was man bei Facebook so tut. TechCrunch macht sich Gedanken zu dem zweifelhaften Interview.
Doch zurück zu vollkommen begründeter Argumentation: Ob “Live-Meldungen” oder Privatsphäre: Facebook scheint sehenden Auges sämtliche Kritik zu ignorieren.

Das ist umso ärgerlicher, da Facebook unter der weiß-blauen Haube vor allem technisch einiges zu bieten hat. Kennen Sie “Connect with Facebook” bzw. “f connect“? Es ist eine Funktion, die es Nutzern erlaubt, sich auf unterstüzenden Websites per Klick mit ihrem FB-Account einzuloggen. Es wird einfach auf den Browser gespeicherten Facebook-Cookie zugegriffen, fertig ist die Laube.
Damit senken Websites die Hemmschwelle für neue User um Einiges. Statt sich einen neuen Account anzulegen, kann der geneigte Neu-User einfach den blauen Button mit weißem f benutzen.
Ganz zu schweigen von dem Potenzial, von dem wir noch nichts merken. So kaufte Facebook vor einer Zeit den Echtzeitdienst “FriendFeed”. Seitdem wartet jeder technisch ausgerichtete Nachrichtendienst auf die Ankündigung Facebooks, ab sofort komplett in Echtzeit abzulaufen.

Die technische Ausgereiftheit ist es, die Facebook gefährlich macht. Denn je obligatorischer eine Verlinkung zu Facebook und die Nutzung der passenden Features, desto schwieriger wird es. Nämlich, das Loch im Netzwerk, das Facebook hinterlassen würde, auszugleichen.
Unzählige Links, eingebettet in heimelige Kommentare hunderter ge”friend”eter Bekannter, unsägliche Spielanwendungen mit passender Werbung in der Seitenleiste und Fanseiten, die Plattformen für Pressemitteilungen -jedoch direkt an User- sind.
Ich finde gerade keine Statistik dafür, aber Facebook dürfte so etwas wie der weltweit größte usergepflegte Aggregator für Links sein, über den User andere Seiten besuchen.

Falls Facebook privatsphäretechnisch ein für alle Mal über die Stränge schlägt, und momentan fehlt bis dahin nicht viel, kann man nur hoffen, dass andere Netzwerke nachwachsen und zu Alternativen werden. Twitter ist für die Aggregierung von Informationen, die den Namen auch verdienen momentan ohnehin besser. Für den kompletten FB-Ersatz hat es jedoch keine ausreichend große Nutzerschaft – leider, aber leider wohl auch auf absehbare Zeit.

Status
Ich stelle fest: Twitter ist nach dem Hype nicht verschwunden, ganz im Gegenteil. Facebook verliert Nutzerdaten zwar nicht ungewollt wie die VZ-Netzwerke, aber legt bei aller Professionalität ein unheimliches Gebaren an den Tag.

Die Quellen für das Titelfoto:
Evan Williams @Wikipedia
Mark Zuckerberg @Wikimedia Commons

Aktualisiert am 20. Januar 2010

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