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Das iPad – erste Gedanken zu Apples “magical device”

Dirk | 8. Februar 2010

iPad mit NYT

Apples Pressekonferenz der vorletzten Woche hat nicht nur erst Twitter und dann die globale Blogosphäre vibrieren lassen, sondern sie hat vor allem die dauernden Gerüchte um Apples Tablet beendet und endlich Tatsachen sowie eine Diskussionsbasis geschaffen. Abgesehen von den technischen Details, wie dem fehlenden Multitasking oder der nicht vorhandenen Kamera, steht die Frage zur Debatte, ob das iPad das Zeug dazu hat, die Medienwelt nachhaltig zu verändern.

So ganz wird man das “magical  and revolutionary device” (Jonathan Ive) zwar erst beurteilen können wenn man es in Händen hält, aber nichtsdestotrotz kann man bereits jetzt über die Plattform iPad und seine Anwendungsmöglichkeiten diskutieren.

Lösung für die Medienkrise?

Das iPad nutzt das iPhone-Betriebssystem und der Nutzer hat damit Zugriff auf alle iPhone-Applications. Ebenjene haben bereits auf dem iPhone eine kleine Revolution möglich gemacht: Nutzer waren plötzlich grundsätzlich bereit für werbefreie digitale Nachrichten, z.B. der Welt, zu bezahlen – obwohl die Inhalte ebenfalls kostenlos im Internet abrufbar sind. Wenn es nach dem Willen der Medienproduzenten geht, soll dieser Weg mit dem iPad weitergegangen werden. Das handliche Produkt und die App-Store Plattform bieten also die lange gesuchte Chance, journalistische Inhalte auf von Nutzern akzeptierte Weise zu verkaufen.

Zu diesem Wandel passt auch die jüngst wieder auflebende Diskussion um Bezahlschranken für bisher kostenlose Webinhalte, wie sie z.B. die New York Times einführen möchte. Vertreter eben jenes New Yorker Zeitungshauses waren bei Steve Jobs’ iPad-Vorstellung zu Gast und präsentierten die eigene iPad-App (Videoausschnitt). Über Preismodelle ist zwar noch nichts bekannt, aber klar ist wohl: kostenlos, wie der kleine Bruder auf dem iPhone, wird diese App nicht sein.

Neuer Journalismus?

Bereits vor Monaten tauchte außerdem dieses Video auf, indem eine interaktive Tablet-Version des US-Magazins Sports Illustrated vorgestellt wird. Beim Betrachten wird schlagartig klar, dass der klassische Journalismus – so sich denn Produkte wie das iPad durchsetzen werden – vor einem grundlegenden Wandel stehen könnte. Inhalte für Plattformen, wie das iPad, verlangen die intelligente Kombination aus Text, Bild und Video, verknüpft mit interaktiven Elementen, wie der Einbindung von sozialen Netzwerken. Das alles sollte zudem noch in einem ansprechenden und schicken Design verpackt werden.

iPhone-Apps, wie die der Welt, zeigen, dass auch deutsche Verlage in die Zukunft schauen und die Rankings im App-Store beweisen, dass die Kunden grundsätzlich dazu bereit sind zu zahlen. Klar ist aber auch: es wird nicht reichen, die für die Druckerpresse konzipierten Inhalte eins zu eins in die schöne neue Tablet-Welt zu übertragen. Die Kunden werden nach neuen, wirklich interaktiven Konzepten verlangen – oder, bei Unzufriedenheit, wieder auf kostenlose Webangebote zurückgreifen. Damit bietet das iPad große Chancen, Medieninhalte völlig neu zu gestalten und neue, interaktive Angebote für die Konsumenten zu schaffen. Gleichzeitig stellt Apple eine akzeptierte Plattform bereit, über die für digitale Medieninhalte bezahlt werden kann.

Alles gut im Tablet-Land?

Trotzdem darf man aber nicht nur in Lobpreisungen auf Apples neuesten Geniestreich verfallen, denn die Beschränkungen, denen das iPad unterliegt, sind erheblich. Zum einen und offensichtlichsten sei hier die mangelnde Flash-Unterstützung genannt, die schon so manchen iPhone-User in die Verzweiflung getrieben hat. Ein Software-Update, welches das Abspielen eben jener Inhalte ermöglicht, ist zwar nicht ausgeschlossen, steht aber auch für das iPhone immer noch aus. Gleichzeitig drängt sich der Gedanke auf, dass Apple bewusst auf eine Implementierung von Adobes Flash verzichten könnte (mehr dazu bei engadget).

Ein zweiter Aspekt ist Apples geschlossenes Software-System, das, genau wie beim iPhone, nur die Installation von Programmen aus dem App-Store vorsieht – und über dessen Inhalte wacht Apple mit Argusaugen. Die Kontrollwut geht dabei so weit, dass die iPhone-App von Stern.de wegen einer “Erotik-Galerie” vorübergehend aus dem App-Store verbannt wurde. Außerdem sind einige Artikel in der Welt-App für die Nutzung über das iPhone gesperrt.

Würde das iPad also zu einer Standard-Plattform für Nachrichtendarstellung und Magazine werden, so hätte Apple über seinen App-Store erheblichen Einfluss auf die Inhalte. Kann es sich ein Verleger dann also nicht mehr erlauben, einen Bericht über eine Akt-Foto-Ausstellung in der Tablet-Version seines Magazins zu veröffentlichen? Über Apples App-Store-Politik wird weiter zu diskutieren sein.

Bleibt auf der Malusseite des iPads noch die Abhängigkeit der Medienhäuser vom Zwischenhändler Apple. Allerdings ist die Etablierung anderer ähnlicher Plattformen denkbar, die Apples Marktmacht zukünftig beschneiden könnte.

Fazit

Mit dem iPad wagt Apple etwas grundsätzlich neues. Für den Konsumenten ist das iPad eine hervorragende Plattform um auf sämtliche digitale Medieninhalte zuzugreifen: Webseiten, Musik, Filme und Videos, Nachrichten, soziale Netzwerke, Fotos, Hörbücher und sogar eBooks. Der Nachteil ist die Geschlossenheit der Plattform sowohl die Software, als auch viele Inhalte betreffend. Nachrichten-Apps, Spiele, Bücher, Filme und Musik sollen, nach Vorstellung der Firma, hauptsächlich von Apple stammen. Für den Kunden kann das sowohl Vor- als auch Nachteile haben.

Ebenso sieht es auf Seiten der Medienanbieter aus: für eBooks, Apps, Filme und Musik ist Apple der einzige Partner. Er wickelt die Zahlungen ab, betreibt diese einzigartige Plattform und entscheidet damit auch, wer und was in den Katalog aufgenommen wird.

Damit bleibt es spannend, wie die Medienhäuser die neuen Veröffentlichungsmöglichkeiten nutzen und natürlich auch, wie die Nutzer die neue Medienwelt aufnehmen. Trotz einiger Einschränkungen wird das iPad also viele spannende Möglichkeiten bieten.

Bild: Apple.com

Aktualisiert am 21. Oktober 2010

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