Die politische Diskussion in Deutschland hat in Google Streeview ein Thema gefunden, an dem sich treffend zeigt, wie intensiv ein Thema öffentlich behandelt werden kann, ohne zu dessen eigentlichen (diskussionswürdigen) Kern vorzustoßen.
In der Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 14. August konnte man lesen, warum einige Bürger gegen Streetview sind. Etwa ein Drittel der Befragten gaben an, daß der Blick in die Wohnung privat sei. Ich habe mich gefragt, ob die Streetview überhaupt jemals gesehen haben.
So unzutreffend die Befürchtung ist, der Blick in die eigene Wohnung sei nun weltweit freigegeben, so zutreffend ist es jedoch, daß die Fassade des eigenen Hauses Teil des öffentlichen Raumes ist und weiterhin bleiben muß. Denkt man konsequent weiter, was derzeit in der Diskussion mitschwingt, daß jeder jederzeit ein Widerspruchsrecht auf Veröffentlichung der Bilder seines Hauses erheben könnte, wäre die Produktion von Filmen, Postkarten oder Bildbänden über oder im öffentlichen Raum bald passé.
Diese Diskussion ist aber nur ein Nebenschauplatz. Es geht ja eigentlich nicht um die Veröffentlichung des zu Recht geschützten privaten Raumes. Die eigentliche Gefahr des systematischen Fotografierens des öffentlichen Raumes lauert im Verborgenen, abseits aller Diskussionen.
Es ist die Basis dessen, worauf Streetview arbeitet, dem Geotagging. Streetview alleine wäre nicht das Problem, es sind vielmehr die vielen Geotags, die inzwischen so ziemlich jede Bild- und Ortedatenbank im Internet und offline anbietet. Der Geotag eines Hauses läßt sich abgleichen mit dem eines Innenraumes, einer Gartenansicht, eines Satellitenbildes und einer Personenaufnahme, die von jedem x-beliebigen Menschen hinterlegt worden sein kann. Verbindet man diese Daten wiederum mit anderen öffentlich zugänglichen Daten, wird daraus schon mehr als ein bloßes Bild vom Haus. In Amerika lassen sich dann sogar abschließen die öffentlich zugänglichen Finanz- und Strafakten von Personen verbinden, wie sie hiezulande ja nur den entsprechenden Behörden vorliegen.
Von der Neuordnung des digitalen Raumes, wie sie Ministerin Aigner fordert, muß man ja nicht gerade reden. Aber es lohnt allemal, sich der Problematik einer wachsenden Informationsflut und ihrer möglichen Rückschlüsse bewußt zu werden. Ganz ohne ist das Thema auch wieder nicht.
Aktualisiert am 20. Oktober 2010
Tags:Digitale Welt, Geotagging, Informationsquelle, öffentlicher Raum, Privatsphäre, Streetview, Web 2.0




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