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Medienklassen – Der Unterricht von morgen?

Maria | 6. Mai 2011

Die Medienklasse ist keine Zukunftsmusik mehr. Es gibt sie auch heute schon, z.B. an der Archenhold Oberschule in Berlin. In einer Gesprächsrunde mit Herrn Uhlig, dem Direktor der Schule, Frau Mieke Senftleben, Sprecherin der FDP-Fraktion für Bildung, Familie und Religionsgemeinschaften im Berliner Abgeordnetenhaus und den Berliner JuLis haben wir erste Ergebnisse aus dem Miteinander in einer solchen Klasse zusammentragen können.

Wie sieht diese Medienklasse aus?

Es gibt sie ganz neu seit dem Schuljahr 2010/2011 und sie soll auch in den nächsten Jahren entstehen. In der Medienklasse sitzen die Schüler nun nicht einfach nur mit Geodreieck, Stift und Zetteln, sondern sie arbeiten an ihren Netbooks. Diese Netbooks werden von den Eltern finanziert. Es gab auch die Möglichkeit bei fehlenden finanziellen Mitteln eines der zwei Kontingente zu bekommen, welche aus externen Quellen finanziert wurden. Die Schüler lernen nach den geltenden Rahmenlehrplänen. Sie rechnen ihre Aufgaben zunächst im Kopf bzw. mit dem Taschenrechner, schreiben ihre Aufsätze mit dem Stift, malen mit dem Pinsel… Der entscheidende Unterschied ist, dass sie all das parallel auch am Computer ausprobieren, immer unter der Fragestellung: „Wann nutze ich lieber den Computer und wann schreibe ich ganz analog mit dem Stift?“ So malen die Schüler einerseits ein Stillleben mit dem Pinsel und üben dann mit einem Grafikprogramm, wie man am Computer Tiefe und andere Effekte erzeugen kann. Dazu müssen sie sich Bilder aus dem Internet herunterladen und lernen nebenbei etwas über das Copyright. So ungefähr funktioniert die Medienklasse. Ein super Konzept, aber wo Sonne ist, da ist auch Regen.

Auch die Medienklasse muss in den kommenden Jahren einige Hürden meistern, um den problemlosen Unterrichtsablauf zu garantieren. So ist es natürlich so, dass in mancherlei Hinsicht die Kinder den Lehrern erzählen, wie ein Programm funktioniert. Die Kompetenz der Lehrer stellt also eine dieser Hürden dar, der man im Moment mit Tandems für die innerschulische Weiterbildung entgegnet. Außerdem kommt es natürlich zu Problemen, wenn 30 Schüler über einen einzigen W-Lan Router online gehen. Da sind dann schon mal 15 Minuten des Unterrichts passé, bis jemand den Router neu gestartet hat. Außerdem stellt das Arbeiten mit dem Computer eine Zusatzbelastung dar, die eben neben dem normalen Unterricht zusätzlich geschafft werden muss. Da sich also in dieser Klasse nur sehr gute Schüler befinden, wird die Medienklasse von den anderen Schülern mit Missgunst beäugt.

Allerdings gibt es keinen Medienkompetenzunterricht, der Datenschutz und Persönlichkeitsrechte näher bringt und sich weniger um die technische Medienkompetenz dreht. Sowohl Frau Senftleben als auch Herr Uhlig waren dafür, diese Art der Medienkompetenz eher im Ethikunterricht zu besprechen. Dabei gab es eine hübsche aber auch alarmierende Geschichte zu erfahren: Ein Lehrer (nicht an der Archenhold Oberschule) hatte alle Fotos, die er von seinen Schülern für jedermann sichtbar online in sozialen Netzwerken finden konnte, ausgedruckt und vorrangig die fiesen Fotos morgens auf der Tafel drapiert. Die Schüler empörten sich darüber, warum hier Fotos der letzten wilden Party dabei waren und nun der ein oder andere entblößt vor allen völlig betrunken an der Tafel hing. Solche Aha-Erlebnisse scheinen die Schüler zum Nachdenken anzuregen. Diese Schüler werden an demselben Tag ihre Privatsphäreeinstellungen überprüft haben.

Ich finde die Medienklasse einen Schritt in die richtige Richtung. Schlimm, dass die Schulen diesen Schritt erst jetzt wagen, aber dafür eigenverantwortlich. Außerdem fehlt es an der ganzheitlichen Unterrichtung von Medienkompetenz. Ein erster Schritt ist gemacht, viele andere müssen folgen!

Was haltet ihr von einer solchen Medienklasse?

Aktualisiert am 6. Mai 2011

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