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Die Vorherrschaft der Social Mediacracy? Oder: Die Existenz geht der Essenz voraus.

Martin | 25. Mai 2011

Die Bedeutung der Social Media nimmt stark zu, das lässt sich überall auf der Welt beobachten. Doch so viele Gemeinsamkeiten die Nutzer sozialer Medien in Bezug auf die Nutzung selber aufweisen, so unterschiedlich ist die Motivation, was mit den Nutzerprofilen erreicht werden soll. Und bedenkt man die Heterogenität der datenschutzrechtlichen Bestimmungen auf dem Globus, so zeigt sich, dass es zwar ein Internet gibt. Aber dieses eine Internet ist in seiner Komplexität an Herangehensweisen der Vernetzung so unterschiedlich wie es nur unterschiedlich sein kann. Während Social Media in stabilen Demokratien oft mehr als reine Informations- und Kommunikationsplattformen genutzt werden, zeigten die Beispiele der Grünen Revolution in Iran und neuerlich die protestwellenartigen, zu Kriegen herangewachsenen Konflikte in der arabischen Welt, dass man ohne YouTube und den gezielten Einsatz anderer sozialer Medien kaum verwertbare (Video-)Informationen erhalten hätte, wenn es diese Möglichkeiten nicht gegeben hätte. Zumal da es sich um nicht-verhüllendes Rohmaterial handelte.

Datenschutzrechtliche Bedenken, die beispielsweise in Deutschland mehr und mehr aufkommen, je gewichtiger etwa der Riese Facebook wird, sind mindestens insofern berechtigt, dass sie die Freiheit der Nutzer oftmals genauso einschränken wie sie ihnen Freiheiten in der vernetzten Welt ermöglichen. Viele – wenn auch auf den ersten Blick stylische und nützliche – Profilergänzungen und Applikationen können nur nach fortschreitender Einschränkung oder Aufgabe der Privatsphäre genutzt werden. Auch viele Handy-Apps laufen nur online und sind somit die perfekte Basis zum Aushorchen und Benutzen meiner Daten. Über die Folgen wird später nachgedacht.

Geraten aktuelle Datenschutzänderungen der Anbieter, die man mit nur einem Klick bestätigt und aufgrund der Fülle an AGB- und Datenschutzbestätigungen schnell überklickt, aus dem Blickwinkel, besteht die Gefahr, ein weitaus gläsernerer Internetbürger im Staate Social Media zu werden als je zuvor. Aber neben den vermeintlichen Alleinstellungsmerkmalen der Nachteile müssen auch die Vorteile von Social Media gesehen werden.  Am Ende liegt es ohnehin immer auch an den Benutzern selbst, was sie aus den gegeben Möglichkeiten machen respektive ob sie sie überhaupt nutzen. Die Existenz geht der Essenz voraus.

Aktualisiert am 25. Mai 2011