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Twitternder Regierungssprecher Seibert

Martin | 29. Mai 2011

Social Networks sind für jedermann und kostenlos. Auf der ganzen Welt. Dass diese These nicht überall zutrifft hat nicht nur damit zu tun, dass in manchen Ländern der Welt das Internet von Regierungen stark beschränkt wird. Denn mindestens die deutschen Hauptstadtjournalisten würden sich seit einiger Zeit manchmal wünschen, dass die Bundesregierung die Erlaubnis zum Mikroblogging manchen Staatsbürgern entziehen würde – am meisten beim am Twittern immer mehr berufliche Begeisterung findenden Regierungssprecher Steffen Seibert. Dieser hat jüngst von anderer journalistischer Seite sogar die Möglichkeit bekommen, sich höchst selbst auf mehr als 140 Zeichen im ZEIT Magazin dazu zu äußern. Zusätzlich erschien der Artikel in identischer Manier bei ZEIT Online. Der coole, den hippen Klang der modernen Welt treffende Regierungssprecher konnte sich also gleich online und offline zu noch mehr Publikum verhelfen lassen.

Da taucht Seibert erst nicht mehr auf der Mattscheibe auf, dann verfällt er zum Leidwesen der Berliner Journalistenrepublik neben dem gesprochenem Wort auf Bundespressekonferenzen auch noch dem geschriebenen Wort und am Ende darf er sich – oh Schreck – auch noch selbst dazu äußern. Was muss das die Kritiker des Seibert-Twitterismus geärgert haben.

Dazu sei an dieser Stelle gesagt: Liebe Hauptstadtjournalisten, ärgert euch doch nicht so sehr! Seid lieber froh, denn wer nur 140 Zeichen Platz hat und etwas Wichtiges loswerden will, der reduziert seine Aussage auf das wesentliche. Das kann doch jedem Journalisten nur entgegenkommen. Das Fernsehen war anfangs auch ein verpöntes Medium und nun bildet es den Hauptbestandteil an medialer Meinungsbildung. Außerdem ist auch Herr Seibert nicht perfekt. Gezeigt hat sich das spätestens beim Tippfehler nach Osama bin Ladens Tod, als der Regierungssprecher „Obama verantwortlich für Tod Tausender Unschuldiger“ schrieb und nicht Osama. Sein Vorteil allerdings ist, dass er die Dinge gelassener angeht und offener für Veränderungen ist als die Hauptstadtjournalisten. Der Tweet wurde kurz danach gelöscht.

Aktualisiert am 29. Mai 2011

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