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Groupon – Webby Award für Gutschein-Giganten

Maria | 14. Juni 2011

Das Unternehmen Groupon, der Name eine Mischung aus Gruppe und Coupon, startete vor zweieinhalb Jahren zunächst in Amerika, ist aber mittlerweile zu einer festen Größe in 43 Ländern geworden. In New York gab es kürzlich den renommierten Webby Award in der Sonderkategorie «Breakout Of The Year» für das Unternehmen. Diesen „Web Oscar“ bekam Groupon für das extrem hohe Wachstum binnen weniger Jahre. In den Medien verbreiten sich Annahmen darüber, dass ein Börsengang des Unternehmens bis zu 750 Millionen Dollar und eine Milliarden-Bewertung bringen könnte. Offenbahr lohnt sich ein genauerer Blick auf das Unternehmen hinter Groupon.de.

Wer sich auf die Website von Groupon begibt, ist ganz klar auf der Suche nach Schnäppchen. Das Unternehmen lockt über Newsletter sowie in den Social Networks mit teilweise mehr als 50% Rabatt auf Produkte und Dienstleistungen unterschiedlichster Art. Vom Kinokartenbündel der großen Kinoketten über den Friseurbesuch bei Udo Walz für 35 statt 70 Euro bis hin zur Traumreise gibt es auf Groupon.de abwechselnd alles, was das Schnäppchenjägerherz begehrt. Dabei muss innerhalb einer bestimmten Zeitspanne eine Mindestanzahl an Kunden den Deal kaufen, damit er zustande kommt. Allein Zalando verkaufte über Groupon 39 000 Gutscheine.

Ganz nach der Devise „Gruppenkauf zahlt sich aus“, haben alle Seiten etwas davon: Die Kunden lernen neue Produkte und Dienstleistungen kennen und bekommen alles zu einem unglaublich guten Preis. Auf der anderen Seite ziehen die Unternehmen so neue Kunden an und können sich ggf. sogar neue Zielgruppen erschließen, die im Nachhinein natürlich eines sollen -  wiederkommen! Dabei muss man wissen, dass die Unternehmen, die Groupon zu einem Vertragsabschluss bringt, neben der Rabattgewährung auch noch Provisionen an Groupon zahlen müssen. Damit ist Groupon der Dritte im Bunde der Win-Win-Win-Situation. Jedoch wird dieses Bild getrübt durch Reportagen und Berichte über kleine Unternehmen (z.B. Cafés), die mit der plötzlichen Gästeflut nicht mithalten können und hohe Verluste einfahren. Sogar von Pleiten ist die Rede. Daneben gibt es aber auch Erfolgsstories. Die Onlineplattform Lieferando.de konnte sich über neue Stammkunden freuen, nachdem knapp 20000 Groupon-Kunden zum ersten Mal bei der Plattform für Lieferdienste ihre Pizza, Pasta oder Sushi bestellt hatten. So bestellten 60% der Grouponkunden erneut bei Lieferando – diesmal zum vollen Preis. Die Kosten für den Deal stehen hier neuen Stammkunden, einer erhöhten Marketingreichweite und schließlich neuen Einnahmen für das Unternehmen gegenüber. Win-win-win!

Wie so oft jedoch bleibt das Internetglück selten einem Einzelnen gegönnt und so  gibt es auch auf dem Onlinegrabbeltisch zahlreiche Copycats. Neben Groupon liefern sich DailyDeal als größter Konkurrent sowie kleinere Unternehmen wie Promozebra und Dealclub einen Run auf die Sparfüchse. Bei all dem Trubel um die Marktführerschaft bleiben laut Wirtschaftswoche die Mitarbeiter teilweise auf der Strecke. Die Wirtschaftswoche berichtet über „Leistungsdruck bis zum Burnout“.

Überhaupt kann man sich die Frage stellen, wie lange der Gutschein-Boom anhalten wird. Dieser Zeitraum kann aus unterschiedlichen Gründen endlich sein. Wieviele Unternehmen wollen noch Gutscheine über Groupon verkaufen? Welcher Grouponkunde benötigt die dritte Brustvergrößerung oder den zehnten Haarschnitt in diesem Monat? Und selbst wenn ein Deal ganz toll ist: für 35 Euro würde sich so mancher die Haare von Udo Walz stylen lassen. Dann aber für 70 Euro noch einmal kommen? (Ich selbst vermutlich nicht.) Hinzu kommt, dass nur ein nachhaltiger Nutzen für die Unternehmen entstehen kann, wenn das über den Deal beworbene Produkt stimmt. Ein Unternehmen muss selbst wissen, ob das Produkt/die Dienstleistung so gut ist, dass die Kunden es erneut kaufen werden. Wenn das Produkt/ die Dienstleistung schlecht ist, helfen auch keine Rabatte. Die Kunden kommen nie wieder. Es gibt unendlich viele offene Fragen und Risiken, bisher scheint es aber für Groupon, die meisten Unternehmen und die Kunden gut zu funktionieren.

Bleibt noch ein Hinweis von mir persönlich, den es für Grouponkunden unbedingt zu beachten gilt: Bei den Onlinedeals sollte man prinzipiell das Kleingedruckte lesen, sonst fällt man aus allen Wolken, wenn man seinen Gutschein nicht einlösen kann, weil man eben kein Neukunde ist oder in dem angegebenen Zeitraum der Reise keinen Urlaub hat.  Über trickreiche Formulierungen, lange Wartezeiten und andere Fallstricke berichtet laut Wirtschaftswoche Markus Fordemann auf der Website Dealkritik.de.

Übrigens war ich gestern mit einem solchen Gutschein im Kino. Win-win-win!

Aktualisiert am 14. Juni 2011