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Denn sie haben Angst, dass man sie becloud

Martin | 21. Juni 2011

Der neueste Trend in der vernetzten Computerwelt heißt eindeutig: Cloud Computing. Und das nicht erst, seitdem Apple selbstbewusst das bei Erscheinen schon nahezu veraltete iCloud verkündet hat. Der Grund für die  Kritik an iCloud ist schnell skizziert: Nachdem Apple jahrelang mit umständlicher Zwangsbenutzung des aufgeblähten Programms iTunes die Benutzung der Smartphones als einfache Festplatte à la Plug and Play verhindert hat, dröselt sich nun der Gedanke von iTunes als Zentralmedium so auf, dass iCloud von Konzernchef Steve Jobs als neuerliche, innovative Errungenschaft verkauft werden kann. Künftig wird man als Apple-Kunde alles in der iCloud ablegen können – oder besser gesagt müssen, denn man wird gar nicht mehr gefragt, ob man das denn möchte. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass jedes Apple-Endgerät ständig und automatisch mit der iCloud synchronisiert. Der Vorteil liegt darin, dass man wirklich überall dort, wo man einen Internetzugang findet, auf alle Daten zugreifen kann. Der Nachteil in dieser Idee jedoch liegt darin, dass dieser Vorteil nur dann vollends genutzt werden kann, wenn man sich bei allen Endgeräten (ob Laptop, Smartphone, Tablet-PC) für ein Apple-Produkt entscheidet. Neue Datenschutzskandale sind vorprogrammiert.

Ein kurzer historischer Rückblick zeigt: die ersten Überlegungen, Daten und Software nicht mehr oder zumindest nicht ausschließlich lokal auf dem heimischen PC zu speichern sind mittlerweile in Ansätzen schon wieder veraltet. Dabei kommt das Thema eigentlich gerade erst in der Gesellschaft an. Und nicht nur dort, denn auch in der Verwaltungswelt macht man sich mittlerweile Gedanken, wie man Clouds sinnvoll für die eigenen Zwecke einsetzen könnte. Ein direkter Vorstoß dazu kam von dem Beauftragten der hessischen Landesregierung für E-Government und Informationstechnologie, Horst Westerfeld. Er erklärte die deutsche Verwaltungs-IT für zu teuer und machte den Vorschlag, künftig die Ämter über Clouds zu vernetzen, anstatt wie bisher weiter maßgeschneiderte, unvernetzte Lösungen der einzelnen Ämter zu intensivieren. Und seit Anfang 2011 geht die hessische Landesregierung mit gutem Beispiel voran und unterstützt die Forschung zum Cloud Computing, indem sie das Projekt „Frankfurt Cloud“  einer Forschungsgemeinschaft der Frankfurter Goethe-Universität unterstützt.

Aber wie bei allen Zentralisierungsbestrebungen gibt es auch daran Kritik. Je zentraler man etwas organisiert, umso härter trifft es alles Anhängige, wenn der Zentralpunkt angegriffen oder gar zerstört wurde. Mit anderen Worten: organisiere etwas zentral und du bist zentral angreifbar. Und nun die Kritik an der Kritik: Clouds sind so aufgebaut, dass sie dezentral ablegen und speichern. Nur durch bestimmte Codes können die Informationen wieder so zusammengefügt werden, dass der Benutzer seine Dateien wie gewohnt einsehen kann. Das Problem ist aber, dass der Codierungsschlüssel auch irgendwo (zentral) gehalten werden muss und damit wiederum angreifbar wird. Kein System ist perfekt. Man bräuchte also zur Abwehr von Cyber-Angriffen eine entsprechend gute Expertengruppe, um Angriffe auf Clouds zu vermeiden. Formal ist das kürzlich mit der Schaffung eines nationalen Cyber-Abwehrzentrums geschehen. Dieses Zentrum aber ist mit nur zehn Bediensteten von drei unterschiedlichen Bundesbehörden ausgestattet und wirkt das bei der hohen Anzahl an Angriffen auf staatliche IT-Infrastrukturen lächerlich.

Die Kriege der Zukunft werden nicht mehr nur auf dem realen Schlachtfeld geführt werden. Was früher der Schutzwall um eine Stadt war ist heute die Firewall. Der Staat hat im Cyberspace nicht immer das letzte Wort –  das wurde einschlägig von Julien Assange bewiesen. Aber auch die Wirtschaft gerät zunehmend unter Zugzwang, sich im Netz sicherer aufzustellen. Sonst werden Datenklauskandale wie der von Sonys PlayStation zum alltäglichen Geschäft.

Als Privatperson kann ich mich für oder gegen das Clouden entscheiden. Aber als Staatsbürger bin ich der Entscheidung von Politik und Verwaltung pro oder contra Cloud Computing unterworfen. Der hessische Vorstoß ist daher generell begrüßenswert, muss am Ende aber personell, technisch und infrastrukturell so ausgeführt werden, dass eine Cloud-Lösung geschaffen wird, die so sicher wie irgend möglich ausgestaltet wird. Ansonsten kann man die Bemühungen getrost als Steuerverschwendung ansehen und dann würde das hessische Lehrstück zum Leerstück.

Aktualisiert am 21. Juni 2011

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